Creditreform Luzern

Insolvenzen Europa

Unternehmensinsolvenzen in Europa 2025

Wirtschaftslage Europa 2025: zaghafte Erholung mit strukturellen Bremsen

Die wirtschaftliche Lage in Europa entwickelte sich im Jahr 2025 etwas positiver als im Vorjahr und war von einem leichten Wachstum geprägt. Laut Eurostat, dem Statistikamt der Europäischen Union, lag das Wirtschaftswachstum bei etwa 1,5 Prozent (2024: plus 1,1 Prozent). Die Inflation ging weiter zurück, und der Arbeitsmarkt zeigte sich robust. Zum Jahresende schwächte sich die konjunkturelle Dynamik jedoch wieder ab. Belastend wirkten dabei der weiterhin schwache Welthandel sowie geopolitische Spannungen.

Auch strukturelle Probleme wie hohe Energiepreise und bürokratische Hürden bremsten die Investitionstätigkeit und verringerten das Wachstumspotenzial. Innerhalb Europas entwickelte sich das Wirtschaftswachstum sehr unterschiedlich. In grossen Industrieländern wie Deutschland, Frankreich und Italien lag es deutlich unter dem europäischen Durchschnitt.

Die folgende Analyse beleuchtet, inwiefern das wirtschaftliche Umfeld die Stabilität von Unternehmen beeinflusst. Im Mittelpunkt stehen dabei Entwicklungen im Bereich der Insolvenzen sowie der Insolvenzgefährdung in den einzelnen Ländern. Für Exportunternehmen ohne eigene Produktions- oder Vertriebsstandorte im europäischen Ausland ist die Einschätzung wirtschaftlicher Risiken bei ihren Geschäftspartnern jenseits der Grenze ein zentraler Bestandteil des Risikomanagements.

 

Westeuropa: 197'610 Unternehmensinsolvenzen und 20-Jahres-Hoch

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa, hier definiert als die EU-14-Staaten zuzüglich Norwegen, der Schweiz und Grossbritannien, ist auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren gestiegen. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 197.610 Unternehmensinsolvenzen registriert, was einem Anstieg von 4,8 Prozent entspricht (2024: 188.623).

Gleichzeitig handelt es sich um den vierten Anstieg in Folge, und das Niveau ist inzwischen höher als nach der Finanzkrise 2008/2009. Die Dynamik hat sich zuletzt jedoch etwas abgeschwächt: 2024 lag der Zuwachs noch bei nahezu 12 Prozent, 2023 sogar bei gut 20 Prozent.

 

Tabelle 1: Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa

Land20252024202320222021Veränderung 2024/25 in Prozent
Belgien11'66511'06710'2439'2656'533+5,4
Dänemark6'4226'1816'9487'8188'339+3,9
Deutschland24'01022'07018'02014'66014'130+8,8
Finnland3'9063'4843'3142'6562'473+12,1
Frankreich68'56466'08856'29241'28427'470+3,7
Griechenland25020122810755+24,4
Grossbritannien25'20825'11626'39123'19214'820+0,4
Irland812875663530401-7,2
Italien9'7279'2298'4777'1909'017+5,4
Luxemburg1'1871'1939441'0061'199-0,5
Niederlande3'2263'7822'8711'8541'536-14,7
Norwegen3'7153'9173'7453'0402'688-5,2
Österreich6'9826'6935'4904'9133'076+4,3
Portugal3'6403'7323'7063'8694'770-2,5
Schweden10'73110'7629'3977'2996'901-0,3
Schweiz11'6948'6447'3356'7915'127+35,3
Spanien5'8715'5894'5444'7554'098+5,0
Gesamt197'610188'623168'608140'229112'633+4,8

Anmerkungen: Griechenland mit Wechsel der Datenquelle, Werte 2021 bis 2025 angepasst. Grossbritannien ohne Nordirland. Niederlande, Norwegen und Spanien ohne natürliche Personen als Einzelunternehmen. Schweiz ohne Konkurse aufgrund von Mängeln in der Organisation.

Der erneute Anstieg des Insolvenzgeschehens ist Ausdruck der instabilen wirtschaftlichen Lage vieler europäischer Länder. Vor allem in grossen Industrieländern blieb die konjunkturelle Erholung im vergangenen Jahr weitgehend schwach. Hinzu kamen die Folgewirkungen jüngster Krisen, wie etwa der Anstieg der Energiekosten und die hohe Inflation infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine, mit denen die Unternehmen zu kämpfen hatten. Die Stabilität vieler Unternehmen ist daher weiterhin beeinträchtigt.

 

Schweiz, Griechenland, Finnland und Deutschland: Spitzenreiter beim Insolvenzanstieg

In der Mehrzahl der untersuchten Länder war ein Anstieg der Insolvenzen zu verzeichnen. Am stärksten fiel der Zuwachs in der Schweiz aus, gefolgt von Griechenland, Finnland und Deutschland. Auch in Österreich stiegen die Fallzahlen erneut, lagen damit jedoch im europäischen Mittelfeld. Insgesamt verzeichneten sechs Länder einen Rückgang der Insolvenzzahlen, darunter die Niederlande und Irland. In Schweden und Luxemburg war der Rückgang nur minimal. Nahezu unverändert blieben die Fallzahlen auch in Grossbritannien.

Insgesamt waren die vergangenen Jahre von einem ansteigenden Insolvenztrend gekennzeichnet. Die Fallzahlen in vielen Ländern liegen inzwischen über dem Vor-Corona-Niveau, darunter in Grossbritannien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Auch in den Benelux-Staaten sowie in Skandinavien überschreiten die Insolvenzzahlen mittlerweile dieses Niveau. Eine Ausnahme innerhalb der westeuropäischen Industrieländer bildet Italien.

 

Frankreich dominiert das europäische Insolvenzgeschehen mit über einem Drittel aller Fälle

Frankreich dominiert weiterhin das Insolvenzgeschehen. Im Jahr 2025 entfiel gut ein Drittel aller Unternehmensinsolvenzen (34,7 Prozent) auf die Grande Nation. Leicht gestiegen ist der Anteil Deutschlands: Er erhöhte sich von 11,7 Prozent im Vorjahr auf 12,1 Prozent. Der Anteil Grossbritanniens ist dagegen auf 12,7 Prozent zurückgegangen und liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit 2020. Auch die skandinavischen Länder verzeichneten zuletzt einen Rückgang ihres Anteils am europäischen Insolvenzgeschehen. Gemeinsam kommen sie auf 12,5 Prozent (Vorjahr: 12,9 Prozent). Insbesondere im Vergleich zu den Jahren 2020/2021 zeigt sich die abnehmende Bedeutung Skandinaviens.

 

Branchenbild Westeuropa: Dienstleistungssektor mit erneut starkem Anstieg

Die Insolvenzentwicklung verlief in den Hauptwirtschaftsbereichen teilweise unterschiedlich. Im Baugewerbe blieben die Fallzahlen nahezu unverändert (plus 0,1 Prozent), nachdem es im Vorjahr noch zu einem deutlichen Anstieg um 15,3 Prozent gekommen war. Inzwischen hat offenbar eine Konsolidierung eingesetzt, nachdem die Fallzahlen in den Vorjahren bereits stark gestiegen waren. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete hingegen erneut steigende Insolvenzzahlen, sie nahmen um 3,6 Prozent zu. Allerdings fiel der Anstieg weniger stark aus als im Vorjahr (plus 9,4 Prozent).

Die schwache Konjunktur und anhaltende Preissteigerungen belasteten im vergangenen Jahr die Verbraucherstimmung. Entsprechend verzeichneten Unternehmen aus Handel und Dienstleistungen eine schwierige Geschäftslage und die Insolvenzen nahmen erneut zu. Bei den Dienstleistern war ein Anstieg um 8,7 Prozent zu verzeichnen (Vorjahr: plus 14,3 Prozent). Im Handel (einschliesslich Gastgewerbe) erhöhten sich die Fallzahlen um 3,0 Prozent, nach einem Plus von 8,0 Prozent im Vorjahr. Insgesamt hat sich die Dynamik des Insolvenzgeschehens damit leicht abgeschwächt.

 

Anteile am Insolvenzgeschehen: Dienstleistungssektor mit über 43 Prozent dominant

Den grössten Anteil am Insolvenzgeschehen hat erneut der Dienstleistungssektor. Inzwischen entfallen mehr als 43 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa auf dieses Gewerbe. Im Jahr 2020 lag der Anteil bei 41,9 Prozent und 2015 waren es erst 38,3 Prozent. Die übrigen Sektoren verloren zuletzt an Bedeutung. So entfielen 29,4 Prozent aller Insolvenzfälle auf den Bereich Handel und Gastgewerbe (Vorjahr: 29,9 Prozent). Leicht rückläufig war auch der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes, der von 8,9 auf 8,8 Prozent sank. Besonders deutlich ging der Anteil des Baugewerbes zurück: Er betrug 2025 noch 18,7 Prozent, nachdem er zuvor bei 19,6 Prozent gelegen hatte.

Infolge der Corona-Pandemie 2020/2021 wurde das Insolvenzgeschehen in den meisten Ländern durch Sondereffekte beeinflusst, wie etwa staatliche Unterstützungsmassnahmen für notleidende Unternehmen oder die Aussetzung von Insolvenzanträgen. Nachdem diese Massnahmen ausgelaufen waren, stiegen die Fallzahlen ab 2022 wieder an. Mittlerweile liegen die Zahlen in allen Wirtschaftsbereichen über dem Vorkrisenniveau von 2019. Diese Entwicklung verdeutlicht nicht nur den Nachholeffekt aus der Pandemie-Zeit, sondern ist auch Ausdruck der seitdem anhaltenden Wirtschafts- und Strukturschwäche in vielen europäischen Ländern. 2025 setzte sich dieser Negativtrend fort.

 

Länderprofil Belgien: 11'665 Insolvenzen, vierter Anstieg in Folge

In Belgien lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auch 2025 über der Marke von 11'000. Insgesamt wurden 11'665 Fälle registriert, der vierte Anstieg in Folge und ein Plus von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 11'067). Das Insolvenzaufkommen liegt damit deutlich über früheren Jahren. Am stärksten betroffen ist hier der Handel mit einem Anteil von 37,3 Prozent, gefolgt vom Dienstleistungsbereich mit 33,8 Prozent. Auf das Baugewerbe entfielen 23,9 Prozent der Insolvenzen und das Verarbeitende Gewerbe trug 4,9 Prozent bei. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten insbesondere das Dienstleistungsgewerbe und das Baugewerbe steigende Fallzahlen, während die Insolvenzen im Verarbeitenden Gewerbe leicht rückläufig waren und im Handel geringfügig zunahmen. Die Arbeitsplatzverluste infolge von Firmeninsolvenzen summierten sich auf rund 30'000.

 

Länderprofil Dänemark: Trendwende mit 6'422 Fällen

Nach drei Jahren mit rückläufigem Insolvenzgeschehen verzeichnete Dänemark 2025 eine Trendwende. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg um 3,9 Prozent auf insgesamt 6'422 Fälle (2024: 6'181). Der Anstieg geht vorrangig auf das Dienstleistungsgewerbe zurück, dessen Fallzahlen um 11,5 Prozent zunahmen. Im Handel stiegen die Insolvenzen um 3,0 Prozent und im Baugewerbe gingen sie um 7,3 Prozent zurück. Auch im Verarbeitenden Gewerbe lagen die Fallzahlen unter dem Vorjahresniveau (minus 1,8 Prozent). Der Anteil des Dienstleistungssektors am Insolvenzgeschehen stieg entsprechend auf 55,8 Prozent, der Handel war mit 22,4 Prozent beteiligt und das Baugewerbe mit 16,6 Prozent.

 

Länderprofil Deutschland: 24'010 Fälle, höchster Stand seit über zehn Jahren

In Deutschland stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2025 auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Mit 24'010 Fällen bedeutete dies einen Anstieg um 8,8 Prozent. Nach zwei Jahren mit zweistelligen Zuwächsen hatte sich die Dynamik des Insolvenzgeschehens jedoch etwas verringert (2024: plus 22,5 Prozent). In allen Wirtschaftssektoren nahmen die Fallzahlen zu, besonders stark im Dienstleistungsbereich (plus 11,9 Prozent) und im Verarbeitenden Gewerbe (plus 8,9 Prozent).

 

Länderprofil Finnland: 3'906 Insolvenzen, höchster Stand seit 20 Jahren

In Finnland steigen die Unternehmensinsolvenzen seit fünf Jahren. 2025 verschärfte sich die Dynamik erneut: Die Fallzahlen erhöhten sich um 12,1 Prozent auf 3'906 (2024: 3'484), der höchste Stand seit etwa 20 Jahren. Das Insolvenzgeschehen wird vor allem vom Dienstleistungsgewerbe getrieben (plus 18,2 Prozent), gefolgt vom Handel (plus 10,9 Prozent), während die Fallzahlen im Baugewerbe nur leicht stiegen (plus 3,1 Prozent). Der Dienstleistungssektor macht damit 44,4 Prozent aller Insolvenzen aus, der Handel 25,6 Prozent und das Baugewerbe knapp unter 20 Prozent.

 

Länderprofil Frankreich: 68'564 Insolvenzen als neuer Rekordwert

Mit 68'564 Unternehmensinsolvenzen erreichte Frankreich 2025 einen neuen Rekordwert. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Fallzahlen um 3,7 Prozent. Während der Corona-Krise waren zunächst Rückgänge zu verzeichnen, seit vier Jahren nehmen die Insolvenzen jedoch wieder zu. Besonders deutlich stieg zuletzt der Dienstleistungssektor (plus 7,3 Prozent), gefolgt vom Verarbeitenden Gewerbe (plus 6,2 Prozent). Im Baugewerbe war hingegen ein Rückgang zu beobachten: 2025 wurden dort 2,7 Prozent weniger Insolvenzen registriert als im Vorjahr. 36,2 Prozent aller französischen Insolvenzen entfallen auf den Dienstleistungssektor, auf den Handel 33,9 Prozent. Der Anteil des Bausektors verringerte sich leicht auf 21,0 Prozent.

 

Länderprofil Griechenland: 250 Insolvenzanträge auf niedrigem Niveau

Die Zahl der beantragten Insolvenzen liegt im Vergleich zu anderen Ländern auf einem niedrigen Niveau. In Griechenland werden Insolvenzverfahren typischerweise nur von grösseren Unternehmen durchgeführt. Insgesamt wurden 250 Insolvenzanträge registriert (Vorjahr: 201).

 

Länderprofil Grossbritannien: 25'208 Fälle, leichter Anstieg unter dem Höchststand 2023

In Grossbritannien verzeichnete die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2025 einen leichten Anstieg. Es wurden hier 25'208 Fälle registriert (2024: 25'116), was einem Plus von 0,4 Prozent entspricht. Die Zahlen liegen jedoch weiterhin unter dem bisherigen Höchststand von 2023 (26'391 Fälle). Drei der vier Hauptwirtschaftssektoren verzeichneten steigende Fallzahlen, lediglich im Baugewerbe gingen sie zurück (minus 2,6 Prozent). Dadurch verringerte sich auch der Anteil des Bausektors an allen Insolvenzfällen auf 16,4 Prozent. Den grössten Anteil macht der Dienstleistungssektor mit 44,3 Prozent aus, gefolgt vom Handel mit 29,9 Prozent.

 

Länderprofil Irland: 812 Insolvenzen mit Rückgang von 7,2 Prozent

Irland zählt zu den Ländern, in denen die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt zurückging. Insgesamt wurden 812 Insolvenzen registriert, 7,2 Prozent weniger als im Vorjahr (875 Fälle). Das Insolvenzgeschehen hat sich insbesondere im Baugewerbe (minus 12,4 Prozent) und im Handel (minus 10,1 Prozent) beruhigt. Lediglich das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Anstieg der Fallzahlen (plus 25,6 Prozent). Mehr als jede zweite Insolvenz betrifft jedoch weiterhin ein Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor: Der Anteil lag 2025 bei 54,1 Prozent. Überwiegend dominieren kleine und mittlere Unternehmen das Insolvenzgeschehen. Zahlungsunfähige Firmen werden in ihrer Mehrzahl durch einen Insolvenzverwalter abgewickelt und der Geschäftsbetrieb eingestellt.

 

Länderprofil Italien: 9'727 Insolvenzen, Aufwärtstrend hält an

Nach einem Anstieg um 5,4 Prozent liegt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Italien nun bei 9'727 (2024: 9'229). Damit setzte sich der Aufwärtstrend fort, schwächte sich jedoch etwas ab. Besonders stark nahmen die Insolvenzen erneut im Baugewerbe zu (plus 16,6 Prozent), nachdem bereits im Vorjahr ein zweistelliger Anstieg zu verzeichnen war. Auch im Dienstleistungssektor stiegen die Fallzahlen deutlich (plus 13,6 Prozent). Der Handel (einschliesslich Gastgewerbe) verzeichnete hingegen einen Rückgang (minus 4,5 Prozent), ebenso wie das Verarbeitende Gewerbe, wenn auch nur leicht. Jeweils rund 30 Prozent aller Insolvenzen entfallen auf den Dienstleistungssektor sowie den Handel. Das Baugewerbe macht 21,8 Prozent des Insolvenzgeschehens aus, das Verarbeitende Gewerbe 19,2 Prozent.

 

Länderprofil Luxemburg: 1'187 Insolvenzen auf hohem Niveau stabil

In Luxemburg bleibt die Zahl der Insolvenzen auf einem hohen Niveau, ohne dass es zu einem weiteren Anstieg kam. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 1'187 Fälle registriert (2024: 1'193). Allerdings zeichnete sich ein Anstieg bei jungen Unternehmen ab. Während die Insolvenzen im Handel deutlich zunahmen (plus 8,0 Prozent) und im Dienstleistungssektor leicht stiegen (plus 0,6 Prozent), war im Baugewerbe ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen (minus 16,2 Prozent). Der Grossteil des Insolvenzgeschehens entfällt weiterhin auf den Dienstleistungssektor (58,7 Prozent), gefolgt vom Handel (26,0 Prozent).

 

Länderprofil Niederlande: 3'226 Fälle nach kräftigem Rückgang

In den Niederlanden gingen die Insolvenzzahlen nach dem kräftigen Anstieg im Vorjahr wieder zurück. Im Jahr 2025 wurden 3'226 Fälle registriert, nach 3'782 im Jahr zuvor. Die Auswirkungen der Corona- und Energie-Krise dürften das Insolvenzgeschehen inzwischen nur noch gering beeinflussen. Die aktuelle Zahl liegt etwa auf dem Durchschnittsniveau der Jahre 2017 bis 2019. In allen Wirtschaftssektoren waren Rückgänge zu verzeichnen, am stärksten im Baugewerbe. Der Anteil dieses Sektors am nationalen Insolvenzgeschehen liegt nun bei 10,4 Prozent. Den grössten Anteil hat weiterhin der Dienstleistungssektor mit gut 50 Prozent, knapp 30 Prozent entfallen auf den Handel.

 

Länderprofil Norwegen: Rückgang auf 3'715 Insolvenzen

In Norwegen schwächte sich das Insolvenzgeschehen ab. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sank um 5,2 Prozent auf insgesamt 3'715 Fälle (2024: 3'917). Das Dienstleistungsgewerbe verzeichnete jedoch gegen den Trend einen Anstieg um 6,8 Prozent, während die Fallzahlen in den übrigen Wirtschaftssektoren zurückgingen, etwa im Baugewerbe (minus 14,4 Prozent) und im Handel (minus 11,2 Prozent). Der Anteil des Handels (einschliesslich Gastgewerbe) am landesweiten Insolvenzgeschehen liegt nun bei 29,0 Prozent, der des Dienstleistungssektors bei 40,3 Prozent. Am geringsten ist der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes (6,0 Prozent).

 

Länderprofil Österreich: 6'982 Insolvenzen auf höchstem Stand seit 2009

In Österreich steigen die Insolvenzen weiter. 2025 wurde der vierte Anstieg in Folge verzeichnet. Die Fallzahlen summierten sich auf 6'982 und liegen damit um 4,3 Prozent über dem Vorjahr (2024: 6'693). Ein derart hohes Niveau wurde zuletzt im Jahr 2009 erreicht. Ursächlich für den Anstieg war vor allem der Dienstleistungssektor, in dem die Fallzahlen um 10,6 Prozent zunahmen. In den übrigen Hauptsektoren wurden hingegen Rückgänge verzeichnet, insbesondere im Baugewerbe. Den grössten Anteil am Insolvenzgeschehen hat mit 52,7 Prozent der Dienstleistungssektor.

 

Länderprofil Portugal: rückläufige Insolvenzen mit 3'640 Fällen

In Portugal lagen die Insolvenzzahlen 2025 unter dem Vorjahresniveau. Damit setzte sich der rückläufige Trend fort. Insgesamt wurden hier 3'640 Insolvenzen registriert (2024: 3'732). Der Rückgang betraf drei der vier Hauptwirtschaftsbereiche. Lediglich im Dienstleistungssektor kam es zu einem Anstieg (plus 7,8 Prozent). Deutlich gesunken sind die Fallzahlen hingegen im Verarbeitenden Gewerbe (minus 13,3 Prozent), gefolgt vom Handel (minus 7,1 Prozent). 42,0 Prozent der Insolvenzen entfielen auf den Dienstleistungssektor und an zweiter Stelle liegt das Verarbeitende Gewerbe mit einem Anteil von 24,0 Prozent.

 

Länderprofil Schweden: 10'731 Fälle auf hohem Niveau

In Schweden blieben die Insolvenzzahlen auf hohem Niveau, gingen jedoch leicht zurück (minus 0,3 Prozent). Insgesamt wurden 10'731 Unternehmensinsolvenzen registriert (2024: 10'762). Mit Ausnahme des Handels (plus 1,8 Prozent) kam es in allen Wirtschaftsbereichen zu Rückgängen. Am stärksten fiel die Abnahme im Baugewerbe aus (minus 5,0 Prozent). Der Anteil des Bausektors am nationalen Insolvenzgeschehen liegt nun bei 18,0 Prozent. Der Dienstleistungssektor dominiert weiterhin mit einem Anteil von 47,6 Prozent. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich um Unternehmen ohne Mitarbeiter. Bei den übrigen betroffenen Firmen waren in Summe rund 25'000 Personen tätig.

Länderprofil Schweiz: stärkster Anstieg in Westeuropa mit plus 35,3 Prozent

Die Schweiz verzeichnete den stärksten Anstieg der Insolvenzzahlen in Westeuropa. Insgesamt wurden 11'694 Fälle registriert, ein Plus von 35,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 8'644). Nach dem fünften Anstieg in Folge erreichte das Insolvenzaufkommen ein neues Rekordniveau. Der Anstieg der Firmenkonkurse dürfte auch mit der SchKG-Revision per 1. Januar 2025 zusammenhängen: Seitdem werden öffentlich-rechtliche Forderungen gegenüber konkursfähigen Unternehmen nicht mehr über Pfändung, sondern im Konkurs durchgesetzt. Dadurch werden angeschlagene Firmen schneller einer Gesamtliquidation zugeführt. Überdurchschnittlich stark nahmen die Insolvenzen im Dienstleistungssektor (plus 43,5 Prozent) sowie im Verarbeitenden Gewerbe (plus 42,5 Prozent) zu. Den grössten Anteil am Insolvenzgeschehen hat weiterhin der Dienstleistungssektor mit 50,3 Prozent, gefolgt vom Handel mit 24,4 Prozent.

 

Länderprofil Spanien: 5'871 Insolvenzen, höchstes Niveau seit 2014

Mit einem Anstieg um 5,0 Prozent liegt Spanien im westeuropäischen Durchschnitt. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen summierte sich auf 5'871 (2024: 5'589). Damit wurde das höchste Niveau seit 2014 erreicht. Besonders betroffen war das Verarbeitende Gewerbe mit einem Anstieg um 10,7 Prozent. Auch im Baugewerbe (plus 7,1 Prozent) und im Handel (plus 6,5 Prozent) nahmen die Fallzahlen deutlich zu. Insolvenzen von kleinen Selbstständigen erfolgen in der Regel separat über ein Insolvenzverfahren für natürliche Personen und werden in dieser Statistik nicht erfasst. Aber auch bei den Unternehmen betrifft ein grosser Teil der Fälle eher kleine Firmen mit geringen Umsätzen. Bei etwa der Hälfte der Fälle dürfte der Jahresumsatz unter 250'000 Euro gelegen haben.

 

Tabelle 2: Insolvenzen nach Hauptwirtschaftsbereichen 2024/2025 in Westeuropa, Anteile in Prozent

LandVerarb. Gewerbe 2025Bau 2025Handel 2025Dienstl. 2025Verarb. Gewerbe 2024Bau 2024Handel 2024Dienstl. 2024
Belgien4,923,937,333,85,223,738,832,4
Dänemark5,216,622,455,85,518,624,052,0
Deutschland7,514,517,460,67,515,517,959,0
Finnland10,419,725,644,410,721,425,942,1
Frankreich8,821,033,936,28,622,433,935,0
Grossbritannien9,516,429,944,39,516,929,943,8
Irland6,79,629,754,14,910,230,654,3
Italien19,221,829,829,120,419,732,927,0
Luxemburg1,413,926,058,71,416,524,058,1
Niederlande10,010,429,350,310,111,328,150,5
Norwegen6,024,729,040,36,227,430,635,8
Österreich4,014,628,752,74,215,930,349,7
Portugal24,014,020,042,027,014,021,038,0
Schweden5,318,029,047,65,318,928,447,5
Schweiz5,619,824,450,35,421,724,748,2
Spanien15,515,735,932,914,715,435,434,5
Gesamt8,818,729,443,18,919,629,941,6

Anmerkung: Handel inklusive Gastgewerbe. Eventuell fehlende Branchenangaben wurden zu Dienstleistungen gezählt.

 

Insolvenzquoten Westeuropa: Schweiz auf Platz 2 hinter Luxemburg

Unter der Einschränkung eines unterschiedlichen Insolvenzrechts in den Ländern Westeuropas und der Vergleichbarkeit der Statistiken zum Unternehmensbestand zeigt die Aufstellung der Insolvenzquoten deutliche Unterschiede in der relativen Insolvenzbetroffenheit. Dabei ist ein geregeltes Insolvenzverfahren nur eine Möglichkeit des Marktaustritts. Teilweise, wie beispielsweise in Südeuropa, sind Insolvenzverfahren dafür nicht der typische Weg. Im Gegenteil: Schliessungen und sonstige Liquidationen werden in der Regel gewählt und verzerren den europaweiten Vergleich der Insolvenzquoten.

 

Tabelle 3: Insolvenzquoten 2025 in Westeuropa, Insolvenzen je 10'000 Unternehmen

LandInsolvenzen je 10'000 Unternehmen
Luxemburg243
Schweiz197
Dänemark168
Belgien129
Frankreich129
Schweden125
Österreich116
Grossbritannien92
Finnland86
Norwegen83
Deutschland77
Portugal26
Italien21
Irland20
Spanien17
Niederlande14
Griechenland3
Westeuropa69

Quellen: Eurostat, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen.

Mittel- und Osteuropa: Insolvenzen rückläufig auf 36'939 Fälle

Anders als in Westeuropa war in den osteuropäischen Ländern kein Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Stattdessen ging die Zahl der Insolvenzfälle um 7,1 Prozent zurück. Die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen in Osteuropa verringerte sich auf 36'939 Fälle (2024: 39'746). Damit liegen die Zahlen etwa auf dem Niveau von 2020 (36'918).

In acht der zwölf untersuchten Länder wurden weniger Insolvenzverfahren registriert als im Vorjahr. Die Spannweite des Rückgangs reicht von minus 19,4 Prozent in Kroatien bis minus 0,6 Prozent in Polen. In vier Ländern, Bulgarien, Rumänien, Slowenien und Tschechien, war ein Anstieg der Fallzahlen zu beobachten. Besonders deutlich fiel dieser in Bulgarien (plus 15,9 Prozent) und Tschechien (plus 11,5 Prozent) aus.

Tabelle 4: Unternehmensinsolvenzen in Mittel- und Osteuropa

Land20252024202320222021Veränderung 2024/25 in Prozent
Bulgarien833719818849525+15,9
Estland15416014198107-3,8
Kroatien3'8964'8324'3515'6024'975-19,4
Lettland272288242307242-5,6
Litauen1'0731'1809591'103738-9,1
Polen469472312288410-0,6
Rumänien7'5537'2746'6506'6496'113+3,8
Serbien1'4721'6811'6031'4581'748-12,4
Slowakei313332332279265-5,7
Slowenien1'0529998729381'016+5,3
Tschechien1'0659551'0129921'220+11,5
Ungarn18'78720'85447'62541'56421'736-9,9
Gesamt36'93939'74664'91760'12739'095-7,1

Anmerkungen: Kroatien zeigt eröffnete Verfahren pro Jahr. Tschechien Insolvenzanträge ohne Selbstständige. Ungarn umfasst Insolvenz- und Liquidationsverfahren.

In einigen osteuropäischen Ländern liegen die Insolvenzzahlen weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Dies gilt insbesondere für Litauen und Lettland, aber auch für Kroatien und Polen. In der Slowakei und in Rumänien liegen die Fallzahlen nach den deutlichen Anstiegen der vergangenen Jahre hingegen mittlerweile auf einem höheren Niveau.

 

Länderprofil Bulgarien: Rückkehr zum Anstieg mit 833 Insolvenzen

Nach zwei rückläufigen Jahren verzeichnete Bulgarien 2025 wieder steigende Unternehmensinsolvenzen. Die Fallzahlen liegen fast 16 Prozent über dem Vorjahresniveau (2025: 833; 2024: 719). Der Grossteil der Insolvenzen entfiel auf die Branchen Handel, Tourismus und Gastgewerbe. Etwa 3'200 Beschäftigte waren betroffen. In Bulgarien nutzen vergleichsweise wenige Unternehmen ein unternehmerisches Insolvenzverfahren, da dieses meist langwierig und komplex ist.

 

Länderprofil Estland: 154 Fälle im Mehrjahresdurchschnitt

In Estland wurden 2025 insgesamt 154 Unternehmensinsolvenzen registriert, ein leichter Rückgang von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt das Insolvenzaufkommen im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Den grössten Anteil am Insolvenzgeschehen hat mit 44,8 Prozent der Dienstleistungssektor, gefolgt vom Handel und Gastgewerbe (29,2 Prozent).

 

Länderprofil Kroatien: deutlicher Rückgang auf 3'896 Verfahren

In Kroatien ging die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren deutlich zurück. 2025 wurden 3'896 Insolvenzanträge registriert, 19,4 Prozent weniger als 2024 (4'832). Nachholeffekte aus der Corona-Zeit sind mittlerweile ausgelaufen und ein Grossteil der eröffneten Verfahren wird mangels Masse abgewiesen. Jeweils etwa ein Drittel der Insolvenzen entfällt auf Handel und Gastgewerbe (34,0 Prozent) sowie das Dienstleistungsgewerbe (32,6 Prozent). Der Anteil des Baugewerbes stieg auf 21,3 Prozent.

 

Länderprofil Lettland: 272 Insolvenzen mit anhaltender Konsolidierung

In Lettland wurden 272 Unternehmensinsolvenzen registriert, ein leichter Rückgang von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Etwa 3'700 Beschäftigte waren betroffen. Die rückläufige Entwicklung spiegelt nicht unbedingt eine bessere wirtschaftliche Lage, sondern hängt auch mit dem anhaltenden Konsolidierungsprozess der lettischen Wirtschaft zusammen. Gegen den Trend stiegen die Insolvenzen im Gastgewerbe. Der Ukraine-Krieg und steigende Kostenbelastungen wirkten hier zunehmend negativ. Der Anteil des Handels und Gastgewerbes am Insolvenzgeschehen stieg auf 31,3 Prozent, der Dienstleistungssektor macht 32,0 Prozent aus und das Baugewerbe 18,0 Prozent.

 

Länderprofil Litauen: 1'073 Fälle mit deutlichem Rückgang

In Litauen sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2025 auf 1'073, nach 1'180 im Vorjahr (minus 9,1 Prozent). Etwa 4'200 Personen waren in den insolventen Unternehmen beschäftigt. Nach einer schwierigen Phase erholte sich die Wirtschaft 2025: Die Inflation ging zurück, und der private Konsum nahm wieder zu. Auch aussergerichtliche Restrukturierungsverfahren finden zunehmende Verbreitung, sodass finanzstärkere Akteure am Markt bleiben. Der Handel (inklusive Gastgewerbe) war erneut der Sektor mit den meisten Insolvenzen (38,1 Prozent), es folgt der Dienstleistungssektor mit 30,8 Prozent.

 

Länderprofil Polen: 469 Insolvenzen nahezu stabil

In Polen lagen die Unternehmensinsolvenzen mit 469 Fällen nahezu auf Vorjahresniveau (2024: 472). Etwa 13'000 Arbeitsplätze waren von den Insolvenzen betroffen. Traditionell spielt das Verarbeitende Gewerbe in Polen eine grosse Rolle im Insolvenzgeschehen und machte 2025 fast 30 Prozent der Fälle aus. Der Dienstleistungssektor ist mit 30,5 Prozent der Insolvenzanträge noch etwas stärker betroffen.

 

Länderprofil Rumänien: 7'553 Insolvenzen, höchster Stand nach der Pandemie

Auch 2025 setzte sich der Anstieg der eröffneten Unternehmensinsolvenzen in Rumänien fort. Insgesamt wurden 7'553 Fälle registriert. Dies ist ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber 2024 (7'274 Fälle). Damit wurde die höchste Zahl im Zeitraum nach der Pandemie erreicht. Die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wirkten sich erheblich auf die rumänische Wirtschaft aus, deren wichtigste Exportmärkte in der Europäischen Union liegen. Erneut dominieren Handel (inklusive Gastgewerbe) und Dienstleistungssektor das Insolvenzgeschehen. Beide Sektoren zusammen machen 56,8 Prozent aller Insolvenzen aus.

 

Länderprofil Serbien: 1'472 Insolvenzen, Trendwende nach zwei Anstiegsjahren

In Serbien hat sich das Insolvenzgeschehen abgeschwächt. Die Zahl der registrierten Verfahren sank von 1'681 auf 1'472 Fälle (minus 12,4 Prozent). Nach zwei Jahren mit steigenden Fallzahlen hat sich der Trend damit gedreht. Trotz des Rückgangs blieb der wirtschaftliche Druck auf die Unternehmen hoch. Die allgemeine konjunkturelle Lage führte weiterhin bei zahlreichen Firmen zu Zahlungsunfähigkeit und Kontosperrungen.

 

Länderprofil Slowakei: 313 Fälle unter Vor-Krisen-Niveau

In der Slowakei wurden 2025 313 Unternehmensinsolvenzen registriert, ein Rückgang um 5,7 Prozent gegenüber 2024 (332 Fälle). Damit liegen die Fallzahlen unter dem Vor-Krisen-Niveau von 2019. Die slowakische Wirtschaft verzeichnete 2025 ein leichtes Wachstum und gilt insgesamt als stabil. Sie wird vor allem vom privaten Konsum und staatlichen Investitionen getragen. Die Automobilbranche als wichtigste Schlüsselindustrie zeigt sich relativ stabil. Allerdings ist das Land stark exportabhängig und eng an die wirtschaftliche Entwicklung in der Europäischen Union gebunden.

 

Länderprofil Slowenien: 1'052 Insolvenzen, erstmals seit 2021 wieder über 1'000

Slowenien zählt zu den wenigen osteuropäischen Ländern, in denen die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2025 gestiegen ist (plus 5,3 Prozent). Erstmals seit 2021 wurden wieder mehr als 1'000 Fälle registriert (1'052). Die Fallzahlen liegen jedoch weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie.

 

Länderprofil Tschechien: 1'065 Insolvenzen, höchster Stand seit 2021

Auch in Tschechien nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zu. Sie stieg von 955 im Jahr 2024 auf 1'065 im Jahr 2025 und erreichte damit den höchsten Stand seit 2021. Die Statistik umfasst ausschliesslich Unternehmen, Insolvenzen von gewerblich tätigen Personen werden in der Regel als Privatinsolvenzen erfasst. Den grössten Anteil am Insolvenzgeschehen hat der Handel (einschliesslich Gastgewerbe) mit 45,1 Prozent. Auf das Verarbeitende Gewerbe entfallen 24,9 Prozent der Fälle und das Baugewerbe ist mit knapp 10 Prozent beteiligt.

 

Länderprofil Ungarn: 18'787 Firmenliquidationen, rückläufiger Trend setzt sich fort

In Ungarn ging die Zahl der Firmenliquidationen deutlich zurück. 2025 wurden 18'787 Fälle registriert (Vorjahr: 20'854). Damit setzte sich der rückläufige Trend fort. Die ungarische Wirtschaft wuchs 2025 moderat, blieb jedoch anfällig für globale Unsicherheiten. Hohe Inflation, steigende Zinsen und eine schwache Binnennachfrage belasteten die konjunkturelle Entwicklung. Die Industrie blieb der wichtigste Wachstumstreiber, während Baugewerbe und Handel unter Druck standen. Der Handel (einschliesslich Gastgewerbe) hatte mit 40,6 Prozent den grössten Anteil an den Liquidationen. Es folgen der Dienstleistungssektor mit 36,7 Prozent und das Baugewerbe mit 12,2 Prozent.

 

Tabelle 5: Insolvenzen nach Hauptwirtschaftsbereichen 2024/2025 in ausgewählten osteuropäischen Ländern, Anteile in Prozent

LandVerarb. Gewerbe 2025Bau 2025Handel 2025Dienstl. 2025Verarb. Gewerbe 2024Bau 2024Handel 2024Dienstl. 2024
Kroatien12,121,334,032,612,319,138,030,5
Lettland18,818,031,332,021,216,730,231,9
Litauen9,521,638,130,814,622,227,935,3
Polen29,614,125,830,524,813,326,335,6
Rumänien12,320,931,934,912,120,734,532,7
Tschechien24,99,945,120,225,110,545,019,4
Ungarn10,512,240,636,79,812,242,435,6

Anmerkung: Handel inklusive Gastgewerbe. Eventuell fehlende Branchenangaben wurden zu Dienstleistungen gezählt.

 

Handel und Dienstleistungen dominieren in Osteuropa

In den osteuropäischen Ländern entfällt der Grossteil der Insolvenzen auf die Bereiche Handel und Dienstleistungen. In den vergangenen Jahren zeigte sich dabei ein zunehmender Trend im Dienstleistungsbereich, während die Bedeutung des Handels eher rückläufig ist. So machte der Handel im Jahr 2020 noch rund 40 Prozent aller Insolvenzen aus, 2025 waren es nur noch 33,7 Prozent. Im Dienstleistungssektor verlief die Entwicklung hingegen gegenläufig: Sein Anteil liegt inzwischen bei etwa einem Drittel und damit höher als noch vor einigen Jahren. Auch das Baugewerbe hat an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2025 entfielen 20,0 Prozent der Insolvenzen auf diesen Sektor, nach 13,1 Prozent im Jahr 2020.

 

Baukrise in Osteuropa verschärft sich

Der aktuell rückläufige Trend in vielen osteuropäischen Ländern darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Insolvenzzahlen in den meisten Wirtschaftsbereichen weiterhin auf einem hohen Niveau liegen.

So ist das Baugewerbe beispielsweise deutlich stärker von Insolvenzen betroffen als noch vor 2020. Nach dem Auslaufen der Corona-Hilfsmassnahmen kam es zu einem Nachholeffekt, in dessen Folge viele bereits angeschlagene Unternehmen innerhalb kurzer Zeit aufgeben mussten. Die anschliessende Wirtschaftskrise mit stark gestiegenen Zinsen erschwerte die Kreditvergabe zusätzlich, sodass zahlreiche Bauprojekte unrentabel wurden. Hinzu kamen erhebliche Kostensteigerungen, etwa bei Materialien wie Stahl und Holz, die zu weiteren finanziellen Belastungen im Bausektor führten. Auch im Dienstleistungssektor liegen die Fallzahlen weiterhin deutlich über dem Niveau früherer Jahre. Im Handel und im Verarbeitenden Gewerbe war das Insolvenzgeschehen zuletzt hingegen weniger stark ausgeprägt.

Die Vergleichbarkeit der Insolvenzbetroffenheit der einzelnen Länder Osteuropas wird durch unterschiedliche rechtliche Gegebenheiten eingeschränkt. Insolvenzverfahren stellen oftmals nur einen kleinen Teil der jährlichen Liquidationen und Geschäftsaufgaben dar. Bei selbstständigen Personen beziehungsweise Gewerbetreibenden wird die Zahlungsunfähigkeit in vielen Fällen nicht im Rahmen eines unternehmerischen Insolvenzverfahrens geregelt.

 

Tabelle 6: Insolvenzquoten 2025 in Osteuropa, Insolvenzen je 10'000 Unternehmen

LandInsolvenzen je 10'000 Unternehmen
Ungarn208
Kroatien162
Türkei91
Rumänien74
Serbien70
Slowenien52
Litauen30
Bulgarien21
Lettland19
Estland9
Tschechien8
Slowakei5
Polen2
Gesamt59

Quellen: Eurostat, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen.

 

Türkei: 34'546 Geschäftsaufgaben mit anhaltendem Anstieg

Die Türkei verzeichnete einen Anstieg der Insolvenzen um 6,0 Prozent. Insgesamt wurden 34'546 Unternehmensauflösungen gemeldet (Vorjahr: 32'591). Der Anstieg setzte sich damit fort, schwächte sich jedoch etwas ab. Im Dienstleistungssektor liegen die Fallzahlen um 16 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch im Verarbeitenden Gewerbe (plus 6,9 Prozent) und im Handel (plus 5,0 Prozent) kam es zu einem Anstieg. Lediglich das Baugewerbe verzeichnete einen Rückgang der Unternehmensauflösungen (minus 19,9 Prozent).

 

Tabelle 7: Unternehmensinsolvenzen in der Türkei

20252024202320222021Veränderung 2024/25 in Prozent
34'54632'59126'95224'30317'184+6,0

 

Tabelle 8: Türkei, Insolvenzen nach Hauptwirtschaftsbereichen, absolute Zahlen

Sektor20252024Veränderung 2024/25 in Prozent
Verarbeitendes Gewerbe6'1845'787+6,9
Baugewerbe2'9133'638-19,9
Handel (inkl. Gastgewerbe)13'67913'024+5,0
Dienstleistungen11'77010'142+16,1

 

Tabelle 9: Türkei, Insolvenzen nach Hauptwirtschaftsbereichen, Anteile in Prozent

Sektor20252024
Verarbeitendes Gewerbe17,917,8
Baugewerbe8,411,2
Handel (inkl. Gastgewerbe)39,640,0
Dienstleistungen34,131,1

Das Insolvenzgeschehen verteilt sich unterschiedlich auf die einzelnen Wirtschaftssektoren. Der Anteil des Dienstleistungssektors stieg von 31,1 auf 34,4 Prozent. Rund 40 Prozent entfallen auf den Handel. Der Anteil des Baugewerbes verringerte sich hingegen auf nur noch 8,4 Prozent.

 

USA: Unternehmensinsolvenzen auf höchstem Stand seit 2020

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den Vereinigten Staaten erreichte 2025 den höchsten Stand seit 2020. Insgesamt wurden 31'810 Insolvenzfälle registriert. Damit lag der Wert um 5,3 Prozent über dem des Vorjahres (2024: 30'201 Fälle).

Die Zahl der Verfahren nach Gläubigerschutz gemäss Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts blieb mit knapp 8'000 Fällen nahezu unverändert. Dieses Verfahren dient vor allem der Sanierung grösserer und mittelgrosser Unternehmen. Da hier kaum Zuwächse zu verzeichnen waren, sind Sanierungen offenbar schwieriger oder weniger wirtschaftlich geworden. Hohe Zinsen und eine zurückhaltendere Kreditvergabe der Banken erschwerten es Investoren, neue Finanzierungen zu erhalten. In der Folge nahmen offenbar Liquidationen zu, anstatt Unternehmen im Rahmen von Sanierungen fortzuführen.

 

Tabelle 10: Unternehmensinsolvenzen in den USA

20252024202320222021Veränderung 2024/25 in Prozent
31'81030'20125'73121'47922'339+5,3

Auffällig war im vergangenen Jahr insbesondere der Anstieg sehr grosser Insolvenzen. Viele Unternehmen gerieten durch steigende Zölle und Inflation unter Druck, insbesondere solche, die auf importierte Waren angewiesen sind. Der Kostenanstieg war damit ein wesentlicher Treiber der höheren Fallzahlen. Zudem belastete die schwache Verbraucherstimmung die Konsumneigung und wirkte sich insbesondere im Handel negativ aus.

 

Zusammenfassung: Insolvenzgeschehen in Europa und weltweit 2025

Im Jahr 2025 entwickelte sich die wirtschaftliche Lage in Europa etwas positiver als im Vorjahr, sie war geprägt von einem leichten Wachstum und rückläufiger Inflation. Dennoch belasteten ein schwacher Welthandel, geopolitische Spannungen und strukturelle Probleme wie hohe Energiepreise und Bürokratie die Unternehmensentwicklung. Vor allem grosse Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien wuchsen langsamer als der europäische Durchschnitt.

Das angespannte wirtschaftliche Umfeld beeinflusste weiterhin die Stabilität der Unternehmen. In Westeuropa, definiert als EU-14-Staaten plus Norwegen, Schweiz und Grossbritannien, wurden 197'610 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet, ein Anstieg von 4,8 Prozent gegenüber 2024. Damit stiegen die Fallzahlen das vierte Mal in Folge, allerdings schwächte sich der Zuwachs im Vergleich zu den Vorjahren etwas ab. Die Ursachen für den Anstieg liegen in der instabilen wirtschaftlichen Lage, hohen Energiepreisen und den Folgen der Inflation nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Besonders stark stiegen die Insolvenzen in der Schweiz, in Griechenland, Finnland und Deutschland, während Länder wie die Niederlande, Irland, Schweden und Luxemburg Rückgänge oder kaum Veränderungen verzeichneten.

Nach Wirtschaftsbereichen zeigte sich eine unterschiedliche Entwicklung: Das Baugewerbe zeigt sich nach starken Vorjahresanstiegen nahezu unverändert (plus 0,1 Prozent). Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete erneut steigende Zahlen (plus 3,6 Prozent), während Handel und Dienstleistungen ebenfalls eine Verschärfung der Insolvenzlage meldeten (plus 3,0 beziehungsweise plus 8,7 Prozent). Der Dienstleistungssektor stellt weiterhin den grössten Anteil aller Insolvenzen, es folgt der Bereich Handel/Gastgewerbe. Die Fallzahlen liegen mittlerweile in allen Bereichen über dem Vorkrisenniveau der Corona-Pandemie.

In Osteuropa gingen die Insolvenzen um 7,1 Prozent auf 36'939 Fälle zurück. Acht von zwölf untersuchten Ländern verzeichneten Rückgänge. Besonders Kroatien und Serbien meldeten sinkende Zahlen, während Bulgarien und Tschechien einen Anstieg bei den Insolvenzen aufweisen. Der Einfluss des Handelssektors für das Insolvenzgeschehen schwächte sich zuletzt ab, während die Insolvenzen im Dienstleistungsbereich und im Baugewerbe zunahmen. Trotz Rückgängen in vielen osteuropäischen Ländern bleiben die Fallzahlen hoch, bedingt durch Nachholeffekte nach Corona, hohen Zinsen und gestiegenen Kosten.

Ausserhalb Europas stiegen die Liquidationen in der Türkei um 6 Prozent auf 34'546 Fälle, überdurchschnittlich stark dabei im Dienstleistungssektor. In den USA erreichten die Unternehmensinsolvenzen mit 31'810 Fällen den höchsten Stand seit 2020, angetrieben von Inflation, steigenden Zöllen und schwacher Verbraucherstimmung. Finanzierungsprobleme und schwächere Konjunkturaussichten erschweren in den USA offenbar die Nutzung von Sanierungen im Rahmen eines Insolvenzverfahrens.

 

Schweiz im westeuropäischen Vergleich: stärkster Insolvenzanstieg 2025

Aus Sicht von Creditreform Luzern lohnt sich ein zweiter Blick auf die Schweizer Zahlen. Mit 11'694 Insolvenzfällen verzeichnete die Schweiz 2025 ein neues Rekordniveau und den fünften Anstieg in Folge. Das Plus von 35,3 Prozent ist allerdings nicht ausschliesslich Ausdruck einer schwächeren Konjunktur. Mit der Revision des Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes (SchKG) per 1. Januar 2025 werden öffentlich-rechtliche Forderungen gegenüber konkursfähigen Unternehmen nicht mehr über die Pfändung, sondern direkt im Konkurs durchgesetzt. Angeschlagene Firmen werden dadurch schneller in eine Gesamtliquidation überführt, was die Statistik strukturell nach oben verschiebt.

 

Branchenbild Schweiz: Dienstleistungen und Industrie überdurchschnittlich getroffen

Auch unabhängig vom SchKG-Effekt zeigt sich eine deutliche Belastung der Substanz. Im Schweizer Dienstleistungssektor stiegen die Insolvenzen um 43,5 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe um 42,5 Prozent. Auf den Dienstleistungssektor entfallen 50,3 Prozent aller Schweizer Fälle, gefolgt vom Handel (24,4 Prozent), dem Baugewerbe (19,8 Prozent) und dem Verarbeitenden Gewerbe (5,6 Prozent). Mit 197 Insolvenzen je 10'000 Unternehmen liegt die Schweiz an zweiter Stelle in Westeuropa hinter Luxemburg (243) und deutlich über dem Westeuropa-Durchschnitt von 69.

 

Schweiz im westeuropäischen Vergleich: stärkster Insolvenzanstieg 2025

Aus Sicht von Creditreform Luzern lohnt sich ein zweiter Blick auf die Schweizer Zahlen. Mit 11'694 Insolvenzfällen verzeichnete die Schweiz 2025 ein neues Rekordniveau und den fünften Anstieg in Folge. Das Plus von 35,3 Prozent ist allerdings nicht ausschliesslich Ausdruck einer schwächeren Konjunktur. Mit der Revision des Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes (SchKG) per 1. Januar 2025 werden öffentlich-rechtliche Forderungen gegenüber konkursfähigen Unternehmen nicht mehr über die Pfändung, sondern direkt im Konkurs durchgesetzt. Angeschlagene Firmen werden dadurch schneller in eine Gesamtliquidation überführt, was die Statistik strukturell nach oben verschiebt.

 

Branchenbild Schweiz: Dienstleistungen und Industrie überdurchschnittlich getroffen

Auch unabhängig vom SchKG-Effekt zeigt sich eine deutliche Belastung der Substanz. Im Schweizer Dienstleistungssektor stiegen die Insolvenzen um 43,5 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe um 42,5 Prozent. Auf den Dienstleistungssektor entfallen 50,3 Prozent aller Schweizer Fälle, gefolgt vom Handel (24,4 Prozent), dem Baugewerbe (19,8 Prozent) und dem Verarbeitenden Gewerbe (5,6 Prozent). Mit 197 Insolvenzen je 10'000 Unternehmen liegt die Schweiz an zweiter Stelle in Westeuropa hinter Luxemburg (243) und deutlich über dem Westeuropa-Durchschnitt von 69.

 

Was die Zahlen für Schweizer KMU bedeuten

Für Unternehmen in der Zentralschweiz heisst das in der Praxis, dass Forderungsausfälle schneller entstehen als in den Vorjahren. Wer offene Rechnungen nicht zeitnah bewirtschaftet, riskiert, dass der Geschäftspartner zwischenzeitlich in den Konkurs läuft. Bonitätsprüfungen vor Vertragsabschluss, ein engmaschiges Monitoring der bestehenden Kundschaft und kürzere Mahnstufen gewinnen damit an Bedeutung.

 

 

 

 

 

 

Quellenangabe

Quelle: Verband der Vereine Creditreform e. V., Analyse «Unternehmensinsolvenzen in Europa, Jahr 2025», 32 Seiten, veröffentlicht am 5. Mai 2026 in Neuss. Verantwortlich Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Creditreform Wirtschaftsforschung. Schweizer Datenbasis aus: Schweizerischer Verband Creditreform, St. Gallen, sowie Bundesamt für Statistik (BFS), Sektion Unternehmensdemografie. Eigene Einordnung der Schweizer Praxis durch Creditreform Luzern Bannwart AG. Weitere Datenquellen je Land: nationale statistische Ämter, Eurostat, Europäische Zentralbank, IWF, EBRD, Germany Trade & Invest. www.creditreform.de · www.bfs.admin.ch