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Konkurse nehmen stark zu – Bonitätsprüfung so wichtig wie nie
Seit langem wird sie erwartet, die Konkurswelle, die über die Unternehmen der Schweiz hereinbricht und diejenigen dahinrafft, die nur dank den vielseitigen staatlichen Hilfsprogrammen die Coronakrise bislang überstehen konnten. Knapp 40 Prozent über dem Vorjahr; so hoch war die Zunahme der ersten beiden Monate. Damit nivelliert sich die Zahl der Insolvenzen wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie. Ob dies schon der Beginn der Konkurswelle ist oder lediglich eine Rückkehr zu einer «normalen», nicht von staatlichen Massnahmen verzerrten Entwicklung der Wirtschaft, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Stark zugenommen hat ebenfalls die Zahl der Konkurse aufgrund von Mängeln gemäss OR 731b. Beide Zunahmen sind auf eine Änderung im Obligationenrecht zurückzuführen, wonach während einem Konkursverfahren nach OR731b ein Konkursrichter dieses Verfahren schliesst, wenn er eine Überschuldung der Gesellschaft feststellt und gleichzeitig ein Insolvenzverfahren eröffnet. Diese Gesetzesänderung trat bereits auf Anfang 2021 in Kraft; wie so oft dauert es aber einen Moment, bis die involvierten Stellen die gesetzliche Vorgabe umsetzen.
Der erste Corona-Lockdown kam im März 2020. Die ersten beiden Monate spiegeln noch das normale Geschehen vor der Krise. Zwei Jahre später zeigen sich Januar und Februar mit leicht höheren Konkurszahlen, die in etwa auf dem Niveau der Jahre 2018 und 2019 liegen. Der massnahmenbedingte Einbruch erfolgte erst im April 2020. Setzt sich dieser Trend fort, rechnet Creditreform wieder mit über 6'000 Insolvenzen für das laufende Jahr.
Privatkonkurse rückläufig
Bei den Privatkonkursen ging die Zahl in den ersten beiden Monaten gegenüber dem Vorjahr gesamthaft um rund 5 Prozent zurück. Eine Hochrechnung ist zum jetzigen Zeitpunkt sicher noch schwierig, und entscheidend wird auch sein, wie sich die Wirtschaft im Zeichen des Krieges in der Ukraine entwickelt. Sollte dieser zu einem europäischen Konflikt werden, hätte dies für die exportorientierte Schweiz starke Auswirkungen.
Neueintragungen, Löschungen, Nettowachstum
Im Februar lag die Zahl der Neueintragungen rund 4 Prozent unter dem Vorjahr, auch für die beiden ersten Monate des Jahres ist ein Rückgang zu verzeichnen. Nach einer Hochrechnung auf der Basis langjähriger Erfahrungen dürfte die Zahl der Neueintragungen unter dem Rekordjahr 2021 liegen. Im Januar und Februar ging die Zahl der Löschungen mit einem Minus von 10 Prozent deutlich zurück. Die Hochrechnung ergibt ebenfalls deutlich weniger Löschungen für das laufende Jahr. Danach könnte das Nettowachstum trotzdem leicht über dem Vorjahr zu stehen kommen.
Claude Federer

