Creditreform Luzern

Sommer der Insolvenzen

Deutlich mehr Unternehmensschliessungen

Sommer der Insolvenzen

Die Pleiten in Deutschland nehmen weiter zu und erreichten im August ein 20-Jahres-Hoch. Auch die Zahl der Unternehmensschliessungen steigt.

Möglicherweise geht es der deutschen Wirtschaft noch schlechter als bisher gedacht. Die Risiken für die Unternehmen in Deutschland nehmen jedenfalls weiter zu – und immer mehr Betriebe geraten ins Straucheln. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete, hätten Ökonomen die im Trend seit fast drei Jahren steigende Zahl der Unternehmensaufgaben vor allem mit Nachholeffekten begründet. Konkret unter anderem mit erheblichen Erhöhungen der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank und dem Auslaufen der Corona-Hilfen. Oft hätten die Betriebe ohnehin schon Schwierigkeiten gehabt und die Hilfen hätten eine Insolvenz lediglich verzögert. Dieses Erklärungsmodell reiche nun nicht mehr aus.

«Durch Nachholeffekte ist das nicht mehr zu erklären», zitierte die FAZ einen Insolvenzforscher vom IWH. «Zwei Jahre Rezession nagen an der Liquidität der Unternehmen», sagte der Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Volker Treier, bereits im Juni. «Nunmehr 43 Prozent der Unternehmen schätzen ihre Finanzlage als problematisch ein, so viele wie seit Ende der Corona-Pandemie und dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine nicht mehr.»

Klar ist also: Trotz einiger Hoffnungssignale steckt Deutschland weiter in einer tiefgreifenden Wirtschafts- und Strukturkrise. Viele Unternehmen kämpfen mit schwacher Nachfrage, ausbleibenden Aufträgen, steigenden Kosten für Arbeit, Energie und Bürokratie sowie anhaltender allgemeiner Unsicherheit. Besonders die finanziellen Reserven schwinden, Kredite werden teils nicht mehr verlängert und immer mehr Betriebe geraten in ernsthafte Schwierigkeiten.

 

Deutlich mehr Unternehmensschliessungen

Somit steigen in Deutschland die Insolvenzzahlen – und die Zahl der Unternehmen, die aufgeben. Das geht aus einer gemeinsamen Untersuchung von Creditreform und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hervor. Demnach stieg die Zahl der Unternehmensschliessungen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent. Insgesamt haben bundesweit 196’100 Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Das ist der höchste Wert seit 2011, als viele Betriebe infolge der Finanzkrise aufgeben mussten.

Darunter sind laut der Studie viele technologieintensive Dienstleister – hier nahm die Zahl der Schliessungen um 24 Prozent zu. Betroffen sind etwa IT, Produktentwicklung, Umwelttechnik und Diagnostik, obwohl dieser Sektor als Zukunftsbranche eigentlich wachsen müsste. Auch hier geht wertvolles Know-how verloren. Auffällig ist zudem der starke Anstieg an Schliessungen grösserer, wirtschaftlich aktiver Unternehmen – ein Trend, der sich nun im dritten Jahr in Folge fortsetzt. 2024 wurden über 4’000 solcher Unternehmen abgemeldet – fast doppelt so viele wie in einem durchschnittlichen Jahr.

 

Hoffnungsschimmer für die Zukunft

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer – zumindest mittelfristig. Vor wenigen Tagen legte die KfW Bank ihren «KfW-Konjunkturkompass August 2025» vor. Dieser jüngsten Analyse zufolge dürfte die deutsche Wirtschaft im laufenden Quartal allenfalls geringfügig wachsen, danach jedoch dürfte die konjunkturelle Aufwärtsdynamik zunehmen.

«Wir heben unsere Prognose für das preisbereinigte Wirtschaftswachstum in Deutschland 2025 etwas an auf jetzt 0,2 Prozent», heisst es im aktuellen KfW-Konjunkturkompass. «Die Wachstumsprognose für 2026 erhöhen wir um deutliche 0,5 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent.»

 

Quelle: Creditreform Deutschland