Über 50 % mehr Firmenkonkurse — die Konkurswelle hält an
Firmen- und Privatkonkurse 2026 im Überblick
Über 50 % mehr Firmenkonkurse — die Konkurswelle hält an
In den ersten fünf Monaten 2026 ist die Zahl der Firmenkonkurse in der Schweiz im Vorjahresvergleich um 53 Prozent gestiegen. Gemessen an den Jahren 2018 und 2019 hat sich die Zahl der Firmenpleiten damit rund auf das Zweieinhalbfache erhöht. Durchschnittlich sind seit der Gesetzesänderung rund 1'400 Unternehmen pro Monat betroffen, in einzelnen Monaten wie im Oktober 2025 und im März 2026 waren es sogar rund 1'700.

Eine Gesetzesänderung als Treiber
Wesentlich zu diesem Anstieg beigetragen hat eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 2025. Seitdem müssen auch öffentlich-rechtliche Forderungen gegenüber konkursfähigen Unternehmen auf dem Weg der Konkursbetreibung durchgesetzt werden. Zuvor war eine Betreibung auf Pfändung möglich. Die frühere Ungleichbehandlung hatte dazu geführt, dass Firmen ihren öffentlich-rechtlichen Zahlungsverpflichtungen zu wenig nachkamen und so künstlich am Leben gehalten wurden. Die Korrektur war überfällig. Mit einem Abebben der Konkurswelle ist bis auf Weiteres nicht zu rechnen.
Zentralschweiz: ein gemischtes Bild
Kantonal zeigt sich die Entwicklung sehr unterschiedlich. Die stärkste Zunahme verzeichnete der Thurgau mit +253,2 Prozent, gefolgt von Basel-Landschaft, dem Jura, Uri (+120,0 Prozent) und Graubünden. Auch Bern und das Wallis liegen über einer Verdoppelung. In der übrigen Zentralschweiz fällt das Bild durchzogen aus: Während Uri deutlich zulegt, gab es in Nidwalden (-7,7 Prozent) und Schwyz (-16,7 Prozent) sogar Rückgänge, ebenso im Aargau. Moderat fiel die Zunahme unter anderem in Obwalden und St. Gallen aus. Solche Unterschiede dürften auch damit zusammenhängen, dass einzelne Kantone die vom Bund vorgegebenen Konkursbetreibungen erst verzögert umsetzen. Insgesamt zeigt sich dennoch eine breit abgestützte Zunahme.

Mehr Privatkonkurse zu Lebzeiten
Bei den Privatkonkursen geht der Anteil der ausgeschlagenen Erbschaften zurück. Betraf 2023 noch neun von zehn Publikationen eine verstorbene Person, dürfte der Anteil im laufenden Jahr auf rund 80 Prozent sinken. Die Konkurse von lebenden Privatpersonen nahmen in den ersten fünf Monaten um 37 Prozent zu, ein Hinweis darauf, dass der finanzielle Druck auf Privathaushalte steigt.
Gründungen: hohe Dynamik trotz Stagnation
Auf der anderen Seite bleibt die Schweizer Wirtschaft gründungsstark. Von Januar bis Mai wurden annähernd gleich viele Unternehmen neu im Handelsregister eingetragen wie im Vorjahr. Für das ganze Jahr erwartet Creditreform zwischen 56'000 und 57'000 Neueintragungen. Da gleichzeitig ähnlich viele Firmen gelöscht werden, bleibt das Nettowachstum praktisch unverändert, liegt aber weiterhin deutlich im positiven Bereich.
Was das für Sie bedeutet
Die Zahlen zeigen zwei Seiten derselben Wirtschaft: hohe Dynamik bei den Gründungen, gleichzeitig ein erhöhtes Ausfallrisiko bei bestehenden Geschäftspartnern. Wer regelmässig die Bonität seiner Kunden prüft und Limiten konsequent hinterfragt, erkennt Risiken früher und schützt seine Liquidität. Gerne unterstützen wir Sie dabei.

Quelle: Creditreform Presseletter 03-2026 «Firmen- und Privatkonkurse 2026» vom 3. Juni 2026.