Konkurswelle und Gründerboom
Eine paradoxe Entwicklung - Firmenkonkurse in der Schweiz
Während sich die Zahl der Firmenkonkurse in der Schweiz weiterhin auf hohem Niveau bewegt, entstehen gleichzeitig so viele neue Unternehmen wie noch nie. Ein Blick in das aktuelle Creditreform-Statistikbuch für die ersten beiden Monate des Jahres 2025 zeigt: Der wirtschaftliche Wandel schreitet mit hoher Dynamik voran.

Rekord bei Neueintragungen
Bereits 2024 wurde mit 52’970 Neueintragungen ein neuer Rekordwert erreicht. In den ersten beiden Monaten 2025 wurden 9’074 neue Unternehmen ins Handelsregister eingetragen – nahezu gleich viele wie im Vorjahr.
Da gleichzeitig die Zahl der Löschungen zurückgegangen ist, ergibt sich ein Nettowachstum von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Creditreform geht davon aus, dass die Zahl der Neugründungen 2025 erneut steigen und die Marke von 55’000 überschreiten könnte.

Gesetzesreform beeinflusst Löschungen und Konkursverfahren
Ein Einflussfaktor auf die weitere Entwicklung ist die Reform des Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes (SchKG), die Anfang Jahr in Kraft trat. Neu müssen auch Forderungen aus dem öffentlichen Recht (z. B. Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge) auf dem Weg der Konkursbetreibung eingefordert werden.
Diese gesetzliche Änderung könnte zu einem weiteren Anstieg der Konkurse und Unternehmenslöschungen führen.
Konkurszahlen steigen weiter an
Von Januar bis Februar 2025 wurden 1’393 Konkurspublikationen infolge Überschuldung verzeichnet – ein Plus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zusätzlich stieg die Zahl der Firmenpleiten wegen Mängeln in der Organisation um rund ein Viertel. Insgesamt wurden 1’920 Unternehmen als konkurs betroffen gemeldet – ein Anstieg von fast 8 Prozent.
Auch ohne den Sondereffekt der Gesetzesreform rechnet Creditreform für das laufende Jahr mit anhaltend hohen Konkurszahlen.

Besonders betroffene Branchen
Ein Branchenvergleich der Jahre 2022 bis 2024 zeigt deutliche Steigerungen in mehreren Bereichen:
- Landwirtschaft (primärer Sektor)
- Garagenbetriebe (427 Konkurse im Jahr 2024)
- Energie- und Wassersektor
- Erziehung, Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen
Den höchsten Anteil verzeichneten freiberufliche, technische und wissenschaftliche Dienstleistungen mit 17,6 Prozent – darunter Anwaltskanzleien, Treuhänder, Unternehmensberater, Architekten oder Marketingagenturen. In diesen Berufen sind die Eintrittsbarrieren besonders tief, was die hohe Zahl an Gründungen – und in der Folge auch Konkurse – erklärt.
In absoluten Zahlen lagen der Dienstleistungssektor, das Ausbaugewerbe, der Handel sowie das Gast- und Beherbergungsgewerbe vorn – zusammen mit über 6’600 Konkursfällen.
Auffällig ist zudem: Die höchsten prozentualen Zunahmen gab es in eher kleinen Branchen, die insgesamt nur wenig zu den Gesamtkonkursen beitragen.

Zunehmende Privatkonkurse: ein Warnsignal
Besorgniserregend ist der Anstieg bei Konkurspublikationen von Privatpersonen. In den ersten beiden Monaten 2025 lag die Zunahme bei 11,3 Prozent.
Sollte sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern – etwa durch steigende Kosten oder rückläufige Nachfrage – drohen weitere Jobverluste. Besonders für Personen mit geringen finanziellen Rücklagen kann dies schnell zur Zahlungsunfähigkeit führen.
Quelle: Presseletter 07-2025 | 26. März 2025