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Bonitätsprüfung hilft bei steigenden Unternehmensgründungen
Erstmals sind in der Schweiz über 20 000 Firmen mehr gegründet als liquidiert worden. Dabei haben die Firmenkonkurse sogar leicht zugenommen. Besonders stark steigen die ausgeschlagenen Verlassenschaften Verstorbener. Das könnte mit Corona zu tun haben.
Über 50 000 Neueintragungen 2021; so lautete unsere Prognose im September für das laufende Jahr. Nun zeigt sich, dass unsere Vorhersage passt. Es werden 2021 – Stand 28. Dezember 2021 – rund 50 900 Firmen sein, die sich neu im Handelsregister eingetragen haben. Die nachfolgende Grafik zeigt eindrücklich, wie stark die Zunahme im letzten Jahr gegenüber den beiden vorangegangenen Jahren ausfiel. Die Zahl der Löschungen fällt leicht unter das Vorjahresniveau. In den Jahren 2017, 2018 und 2019 waren deutlich mehr Firmen aus dem Handelsregister gelöscht worden. Das Nettowachstum liegt mit einem Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr erstmals in der Geschichte über 20 000 Firmen und mit 22 500 gleich deutlich darüber. Die grössten Zuwächse mit über 20 Prozent verzeichneten Schaffhausen und Zug, gefolgt von Uri, dem Wallis, Bern und St. Gallen. Am Ende der Liste finden sich die Kantone Appenzell Innerrhoden sowie Obwalden mit zweistelligen Verlusten. Dieser Zuwachs, so positiv er auf den ersten Blick scheint, hat einen schalen Beigeschmack: Es ist bekannt, dass junge Firmen in den ersten Jahren nach der Gründung ein deutlich höheres Insolvenzrisiko haben. So muss in zwei bis drei Jahren damit gerechnet werden, dass vielen der jetzt gegründeten Unternehmen die Luft ausgeht und sie Konkurs gehen oder die Geschäftstätigkeit einstellen müssen.
Mehr Firmenkonkurse
Mit rund 5 200 Firmeninsolvenzen stieg die Zahl 2021 weniger stark als anfangs befürchtet. Der Trend zeigt aber nach oben, und Schlimmeres muss wohl noch befürchtet werden: Die staatlichen Unterstützungsmassnahmen zum Abfedern der schlimmsten Folgen der Corona-Krise laufen aus und Kredite müssen bedient werden, auch wenn die Rückzahlungsfristen für die staatlich garantierten Kredite sehr grosszügig sind. Dies werden einige der sogenannten ZombieUnternehmen nicht schaffen. Und auch wenn die Konjunktur nach einem möglichen Omikron-Einbruch stabil bleiben dürfte, so werden die Folgen der Corona Krise für so manches Unternehmen zu Liquiditätsproblemen führen, was zum Konkurs führen kann. Der Zuwachs bei den Konkursen hat auch mit einer gesetzlichen Änderung zu tun, die seit dem 1. Januar 2021 in Kraft ist. Stellt der Konkursrichter im Zusammenhang mit einem Konkurs aufgrund von Mängeln in der Organisation nach Art. 731b OR fest, dass die Gesellschaft überschuldet ist, wird ein Insolvenzverfahren eröffnet. Entsprechend haben diese Verfahren um knapp 16 Prozent auf knapp 2 300 zugenommen.
Starker Zuwachs bei gestorbenen Personen
Um 12,1 Prozent steigen die Privatkonkurse gesamthaft bis Ende Jahr. Während die Konkursverfahren über lebende Personen in den letzten Jahren stabil bei rund 1 100 Fällen lagen, stiegen die ausgeschlagenen Verlassenschaften (AV) weiter deutlich an. Und mit einer Zunahme von über 13 Prozent ist der Anstieg in diesem Jahr besonders hoch. Das könnte durchaus mit der coronabedingt stark gestiegenen Zahl an Todesfällen alter Menschen zu tun haben, deren finanzielle Reserven durch die Selbstbehalte der Behandlungskosten an oder über ihre Grenzen gestossen sind. Entweder wissen die Erben von der Überschuldung oder sie vermuten eine solche und schlagen deshalb das Erbe aus.
Claude Federer


